Nachruf Roman Heer

Ein grosses Herz muss kein starkes sein.
Zum Abschied von Roman Heer (1961-2016)

Als ich Roman Heer zum ersten Mal begegnete, arbeitete ich als Journalist beim Regionalfernsehen Rüsler TV, das nicht viel mehr war als eine Bildschirmzeitung und erst ein paar Jahre später als Tele M1 Karriere machte. Doch wir wollten dem Baby auf die Sprünge helfen und suchten einen Kameramann mit Erfahrung. Als Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens und des European Business Channels brachte Roman das nötige Know-how mit, vor allem aber hatte Freude daran, mit kleinem Budget etwas zu bewirken.
Roman war gleich Feuer und Flamme. Und obwohl er uns haushoch überlegen war, behandelte er uns nicht als Amateure, sondern nahm uns ernst und machte uns zum Team. Nun lernten die Bilder beim unbedeutenden Sender tatsächlich laufen, und die Technik wurde soweit auf Vordermann gebracht, dass sie den Namen Technik allmählich verdiente.
Während dieser Zeit wurde Roman, der damals noch in Kriens wohnte, zu meinem temporären Untermieter. Wir waren oft zusammen auf Reportage, verbrachten lange Tage und Abende am (damals noch analogen) Schnittpult und philosophierten nächtelang über Gott und die Welt. Egal, wohin es mich später verschlug, der Kontakt zu ihm brach nie ab. Wenn immer möglich, realisierten wir auch in den folgenden Jahren gemeinsam Projekte; das nächste wollten wir eben in Angriff nehmen.
Roman war ein leidenschaftlicher «Broadcaster». Dabei ging er auch körperlich an seine Grenzen. Meist war er nach einem Dreh schweissgebadet und arbeitete bis zum Umfallen in seinem «Visualizer»-Studio in Luzern. Mehrere der Produktionen, an denen er beteiligt war, wurden ausgezeichnet. Doch Auszeichnungen bezog er selten auf sich, und trotz seiner grossen Erfahrung wurde er das Gefühl nie los, nicht zu genügen.
Dass er sich selber immer zurücknahm und ein Leben lang bescheiden auftrat, hat wohl auch mit seiner Geschichte zu tun. Als Vollwaise in Heimen aufgewachsen, fehlte es ihm in seiner Kindheit sicher an Zuneigung und Bestätigung. Trotzdem wurde er zu einem bedingungslos loyalen und herzensguten Menschen, der sich – ganz im Stillen – oft für andere einsetzte.
Roman war kein Glückskind. Ihm ist nichts in den Schoss gefallen. Gab es irgendwo auf der Welt ein Montagsmodell: Es landete bei ihm. Für alles musste er kämpfen. Am leidenschaftlichsten tat er es für seine Vorstellung von Gerechtigkeit und Fairness. Trotzdem war er kein trauriger oder gar tragischer Mensch. Er lebte gerne und oft exzessiv. Er machte sich viele Gedanken und arbeitete an sich und seinem Glück, das er oft in seiner Arbeit als Kameramann, Editor, Cutter und Produzent von Filmen und TV-Spots fand. Aber auch bei seinen Freunden, die ihn viel mehr schätzten, als er sich möglicherweise einzugestehen wagte. Und natürlich bei seiner Partnerin, mit der er die letzten Jahre teilte.
Roman war ein leidenschaftlicher Schwimmer. Er war gut vorbereitet, als er Anfang September den Vierwaldstättersee bei Luzern durchqueren wollte. Dabei versagte sein Herz – ohne Vorwarnung, von einer Sekunde auf die andere. Ein grosses Herz muss nicht ein starkes sein. Wir verlieren mit Roman einen lieben Freund und Kollegen.
Christoph Zurfluh